Mittwoch, 6. März 2013

[Rezension] Anja Marschall ~ Fortunas Schatten

Aloha zusammen,

heute geht es mal wieder um ein Buch :) "Fortunas Schatten" habe ich im Rahmen von Blogg dein Buch erhalten, herzlichen Dank!


Autor: Anja Marschall
Titel: Fortunas Schatten
Verlag: Dryas (hier direkt zu erwerben)
Reihe: Die grüne Fee
285 Seiten im Taschenbuch

Optik:
Die Covergestaltung finde ich ziemlich schick. Der Kompass sowie der Titel sind glänzend gedruckt, was einen recht hochwertigen Eindruck vermittelt. Hat mich beim Auspacken sehr gefreut :)
Auch die Schiffe und der Kompass sind gut gewählt, angesichts der Handlung des Buches.

Um was geht es?
1894, Glückstadt an der Elbe.
Nach dem Untergang seines Schiffes trifft Hauke Sötje als einfacher Fischer in Glückstadt ein, um eine letzte Sache zu erledigen. Doch gleich zu Beginn bahnt sich Ärger an, als der Kapitän des Fischerbootes seine Mannschaft beim Lohn betrügen will. Letztendlich landet die ganze Mannschaft, inklusive Sötje, im Gefängnis. Für Sötje, der seit seinem Schiffbruch an Platzangst leidet, kein sonderlich schöner Ort.
Mehr oder weniger glücklicherweise befindet sich der Graf von Lahn in Glückstadt, der aus der Zeitung erfährt, dass Sötje im Kittchen sitzt. In England war es der Graf, der Sötje's Rechtsbeistand war, als selbiger sich zum Untergang seines Schiffes verantworten mußte. Dieser macht sich also auf den Weg um Sötje aus dem Gefängnis zu holen und ihn für seine Zwecke einzuspannen.
Von Lahn benötigt Sötjes Hilfe, um Probleme in der Glückstädter Heringsfischerei zu untersuchen. Diese Aktiengesellschaft steht quasi kurz vor Aufnahme des Betriebes und scheint für von Lahn ziemlich wichtig zu sein, wenngleich er Sötje nicht viele Details verrät.
Während seiner Unternehmungen trifft Sötje auf Sophie Struwe, die Tochter eines Möbelfabrikanten, der gleichzeitig im Vorstand der Heringsfischerei tätig ist. Sophie ist ein Blaustrumpf mit einem Geheimnis und will sich nicht ganz in ihre vorgegebene Rolle als Ehefrau pressen lassen.
Wirklich spannend wird es, als Struwe vorgeworfen wird, die Gesellschaft betrogen zu haben. Kurze Zeit später sorgen ein Brand und ein Mord für noch mehr Aufsehen. Vor allem, da Sötje vorgeworfen wird, der Mörder zu sein.
Mehr will ich aber an dieser Stelle nicht verraten :)

Nyxx' Meinung zum Buch:
Erst mal zum reinen Inhalt, also der Geschichte von Sötje, Sophie und all den anderen...
Ich habe insgesamt zwei "Sitzungen" gebraucht, um das Buch zu lesen (schätzungsweise 4-5 Stunden insg.). Am Anfang hat es mich gut reingezogen, die Autorin beschreibt gut, aber nicht zuviel, man kann sich die Geschehnisse und Orte recht gut vorstellen. Durch den Prolog ist man schon gespannt, was eigentlich wirklich beim Untergang von Sötje's Schiff passiert ist. Erst gegen Ende verbinden sich der Untergang und die Geschehnisse in Glückstadt zu einem großen Gesamtbild.
Leider haben sich in meinen Augen ab der Mitte des Buches manche Längen ergeben, durch die ich mich recht mühselig kämpfen mußte. Wenn der Vorstand der Heringsfischerei sich streitet, kam ich irgendwann einfach nicht mehr mit. Wer war doch gleich wer?
Zudem war mir relativ lange unklar, auf was das Buch eigentlich hinaus will. Warum wird am Anfang ein Schiffbruch beschrieben, wenn es zwischendrin um Betrug einer Firma geht? Warum wird die Situation der Firma gefühlt unendlich breit getreten (natürlich verpackt in Gespräche und Beobachtungen Sötje's)? Erst ab dem letzten Drittel hat sich so langsam ein klares Bild ergeben, was ich etwas schade finde.
Es handelt sich ja hier um einen "historischen Kriminalroman". Historisch, jup, sehr schön, dazu nachher ein bisschen mehr. Kriminalroman - ja, es ist spannend zwischendrin. Aber leider hält sich die Kurve nicht so gut, es schwankt zwischendrin schon gewaltig.
Sötje und Sophie, die anderen Charaktere... Meiner Meinung nach werden alle nur recht einseitig beschrieben. Sötje, mit seiner Platzangst und den Selbstvorwürfen, der so mir nichts, dir nichts, anfängt zu ermitteln und sich dabei, natürlich, so gar keine Freude macht. Platzangst und Vorwürfe sind die Punkte, die gefühlt ständig breit getreten werden. Dabei scheint er doch ganz clever zu sein (immerhin deckt er zum Schluß alles auf, eh?), gar nicht mal so hässlich und doch hatte ich kein wirkliches Bild von ihm vor Augen. Schade. Selbiges gilt für Sophie, die auf der einen Seite rebellisch ist, auf der anderen Seite aber doch nur nickt und den Kopf senkt. Gerade auch bei ihr hätte ich mir etwas mehr Charakterbeschreibung, ja Entwicklung gewünscht. Als ich am Ende von ihrem Geheimnis erfuhr, hat mich das nicht so geschockt, oder bewegt. Es war eher so ein "Armes Mädel"-Schulterzucken. Auch der Rest... irgendwie baut man zu keinem Charakter eine wirkliche Verbindung auf, was mir wirklich gefehlt hat.

So, nun zum historischen :)
Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat aus der Glückstädter Fortuna, der örtlichen Zeitung und größtenteils passen diese sehr gut zum Inhalt der Kapitel.
Diese Zeitungsausschnitte sind größtenteils echt, keine Fiktion. Auch einige der Personen im Buch sind historisch belegt.
Im Anhang finden sich "Anmerkungen zu Wahrheit und Fiktion". Das finde ich sehr gelungen, gerade wenn man von der Zeit keine Ahnung hat (Kaiserreich, eh?). Hier legt die Autorin dar, wo sie die Wahrheit etwas "hingebogen" hat, im Hinblick auf historische Korrektheit. Direkt danach findet sich eine Seite mit "Übersetzungen" von Platt ins Hochdeutsche (die Fischer sprechen gern mal "unverständlich"). Ich hatte so oder so damit keine Probleme, da meine Chefin ihre Kids gern mal auf Platt ausschimpft. Sprechen kann ich es nicht, aber größtenteils verstehen ^^
Nach den obligatorischen Danksagungen finden wir eine Personenliste, die ich am Anfang ständig zu Rate zog. Wer war das doch gleich? Was hatte der mit wem zu tun? Schnell wurde mir das aber auch zu doof, aber es ist schön, dass es diese Auflistung gibt. Auch hier erwähnt die Autorin nochmals, welchen Personen sie was angedichtet hat (sofern historisch). Abschließend finden wir ein Glossar, eine Literaturliste (saustark!!), sowie zwei Ortskarten von Glücksstadt.
Letztere habe ich btw nicht einmal angeschaut während des Lesens.

Fazit:
Durchwachsen, muß ich gestehen. Von der Beschreibung her hätte ich es wohl sofort gekauft, und daher hab ich es mir auch ausgesucht. Nach dem ersten Drittel erfolgt dann ein bisschen die Ernüchterung. Ich würde sagen, es ist ein Buch, das man durchaus mal lesen kann. Leider ist bei mir der Funke nicht so ganz übergesprungen. Zwischendrin waren zu viele Längen und/oder Unklarheiten (selbst für einen Krimi war mir da zu viel Verwirrung). Zum Schluß ergibt es wieder einen Sinn, aber ich hätte mir gewünscht, dass auch im Verlauf ein bisschen weniger Durcheinander herrschen würde. Denn eigentlich finde ich die Thematik und Zeit wirklich interessant! Daher würde ich sagen, wer historische Romane mag, und kein Problem mit einem Krimi hat, der kann ja mal reinschauen.

Und ganz zum Schluß eine Bemerkung zur "Grünen Fee", der Namensgeberin der Reihe. Mich würde interessieren, ob die folgenden Bücher der Reihe auch alle einen Absinth-Trinker verbaut haben ^^ Hier ist es Sötje's "Mit-Mieter", der Sötje öfter dazu überreden will, mit ihm ein Glas zu trinken. Grüne Fee erscheint sogar im Glossar mit als Getränk, das "mit Zucker genossen, eine umwerfende Wirkung gehabt haben soll." *hihihi* An dieser Stelle möchte ich nur jeden an die Sixtina in Leipzig verweisen. Ja, wie jeder Alkohol wirft auch Absinth einen um, wenn man zuviel davon trinkt. Wenn man dann noch Opiate reinschüttet, schneidet man sich auch mal Ohren ab... (meine persönliche Empfehlung ist der "Absinth-Krokodil"-Cocktail (oder wars Alligator? *grübel*))

Mögt Ihr Historische Romane??

Mahalo und Ciao
Nyxx


Herzlichen Dank an das Team von Blogg dein Buch und den Dryas-Verlag für die Bereitstellung des Buches :)

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