Mittwoch, 1. Oktober 2014

[Rezension] Karin Seemayer ~ Die Sehnsucht der Albatrosse [ebook]

Aloha ihr Lieben,

es gibt mal wieder was für die Buchfreunde unter Euch :). Wieder mal habe ich bei Blogg dein Buch ein Rezensionsexemplar bekommen und heute möchte ich Euch meine Meinung zu folgendem Buch präsentieren:


Autor: Karin Seemayer
Titel: Die Sehnsucht der Albatrosse
Verlag: book2read (hier direkt zu erwerben)
Preis: 3,99€
Ebook, keine Angaben über Seitenzahl

Optik:
Das Cover find ich ganz nett, auch wenn ich auf den ersten Blick die zwei Vögel eher für Möwen gehalten hätte XD. Allerdings muß ich zugeben, dass meine Kenntnisse in Vogelkunde sich nicht sonderlich hervortuen. Ich weiß, wie ein Albatros aussieht. Wie eine gigantische Möwe, so schaut's nämlich aus.
Scherz beiseite. Das Cover find ich ganz passend. Vögel, Meer, Vintage-Look. Alles ganz passend zur Geschichte. Gefällt mir.

Um was geht es?
Eine Frau, die nur für die Musik lebt. Ein Mann, der für die See auf alles verzichtet. Eine Reise, auf der beide an ihre Grenzen kommen. Als die Sängerin Sarah nach einem Schiffbruch von einem Robbenschoner an Bord genommen wird, findet sie sich in einer harten Männerwelt wieder. Ausgerechnet hier trifft sie auf ihre verloren geglaubte Jugendliebe John Brandon, den Kapitän des Schiffes. Jenseits von Vernunft und Interessen erwachen die widersprüchlichsten Gefühle in ihr: Denn nicht nur Brandon bringt sie aus dem Gleichgewicht. Mehr und mehr fühlt sie sich zu dem Matrosen Peer Svensson hingezogen. Seine Geschichte von dem geheimnisvollen Flug der Albatrosse berührt sie ebenso wie sein Mut. Auf der Fahrt durch das stürmische Eismeer will sie mit ihrer Vergangenheit abschließen. Doch als die Robbenjagd erfolglos bleibt, kommt es zu einer blutigen Auseinandersetzung. Plötzlich steht Sarah zwischen den Fronten des Kapitäns und der Mannschaft - zwischen John und Peer …" (Beschreibung des Verlags)
 

Nyxx' Meinung zum Buch:
gah, ich finde ja, der "Klappentext" ist ein bisschen irreführend. Denn weder erkennt Sarah in dem Kapitän auf Anhieb ihre Jugendliebe (im Gegenteil, sie steht lang auf dem Schlau), noch ist die Albatros-Geschichte so zentral in der Geschichte. Und ob sie mit ihrer Vergangenheit abschließen will... Aber an Grenzen geraten alle Beteiligten auf jeden Fall.
Um auf andere Gedanken zu kommen reist Sarah, Sängerin und Mitglied der High Society in San Franscisco, nach Hawai'i - und weil sie ihre Stimme ein bisschen verloren hat und nicht will, dass die Presse das spitz bekommt. 1904 nicht die kürzeste Reise. Relativ bald geht das Unglück dann los und Sarah erleidet Schiffbruch. Aufgegabelt wird sie von der Victory, einem Robbenjäger-Schiff. Zusammen mit zwei anderen Leute von ihrem Dampfer, die nie wieder eine wirklich relevante Rolle spielen und die man, sorry, auch einfach hätte weg lassen können, meiner Meinung nach.
Nun ja, Sarah muß sich also an Bord des Segelschiffes zurecht finden, denn der Kapitän erklärt ihr, dass er keine Möglichkeit hat, sie an Land zu bringen, ohne enorme Verluste zu machen. Also muß sie mit. Kapitän Brandon erkennt sie (also er sie, nicht sie ihn) gleich von Anfang an und man ahnt schnell, dass er da Spielchen spielt.
Sarah findet ihren Platz schließlich in der Kombüse. Nähen kann sie nicht, und viel mehr "Frauenarbeit" gibt es an Bord nicht. Nach einer Weile lebt sie sich recht gut ein. Mit manchen Matrosen freundet sie sich ein bisschen an, mit anderen kommt sie nicht so klar.
Der Schwede Svensson spielt an Bord eine recht zentrale Rolle, denn er schafft es regelmäßig, sich mit dem Steuermann Andersen anzulegen. Den wiederum mag eigentlich niemand, aber da er Nr. 2 nach dem Kapitän ist, traut sich keiner, den Mund aufzumachen.
Meist erlebt man die Geschichte aus Sarah's Perspektive in der dritten Person. Ab und an schwenkt "die Kamera" zu Svensson. Ansonsten kann man die Motivationen der Personen nur erraten.
Sarah ist relativ glaubwürdig gehalten, finde ich. Als Mutter und Witwe, sowie gefeierte Sängerin, ist sie nicht bereit, sich alles gefallen zu lassen. Was sie häufiger mal in Schwierigkeiten bringt auf dem Schiff. Aber sie hält an ihren Prinzipien fest. Lediglich bei der Geschichte zwischen ihr und dem Käptain werden dann Andeutungen gemacht, die in meinen Augen etwas... übertrieben angedeutet sind. Man kann es sich einfach denken, was es ist, von dem Sarah nicht will, dass Brandon es erfährt. Andererseits ist zumindest logisch, warum sie es nicht will.
Sarah's Gerechtigkeitssinn ist mindestens so stark wie der von Svensson, er als Mann muß aber die Rechnung dafür umso öfter zahlen. Er ist an sich ein ruhiger, bedachter Kerl, der etwas von seinem Handwerk versteht und selber gerne Steuermann werden möchte (und hofft, den Kurs mit seiner Heuer zahlen zu können). Sich mit Andersen anzulegen ist mit Sicherheit nicht die beste seiner Ideen, aber er kann auch nicht anders, was ihn wirklich sympatisch macht.
Brandon, der Käptain... boah, der Kerl ist schon anstrengend. Im Ernst, der benimmt sich am Anfang so unmöglich! Und irgendwie schafft es sein Charakter auch nicht, irgendwie sympatisch zu werden. Kurz mal in der Rückblende, aber sonst dachte ich mir ganz häufig: Du blöder Idiot!
Vielleicht ist das auch gewollt, denn so kann man ziemlich gut nachvollziehen, warum Sarah Svensson irgendwann einfach besser findet. ^^
In diesem Netz aus alten Geschichten zwischen Sarah und Brandon, dem rauen Leben auf dem Schiff und den Spannungen innerhalb der Mannschaft, schafft es die Autorin, einen ganz gut bei der Stange zu halten. Es wird nicht zuviel mit nautischen Fachbegriffen um sich geworfen. Und falls man was nicht versteht, findet man am Ende vom Buch ein Glossar, das ich auch erst am Ende fand. Hier wäre eine Inhaltsangabe eeeeecht nett gewesen! Das Buch liest sich flüssig, ich hab's in zwei "Sitzungen" durchgelesen. Zwischendrin schüttelt man ein bisschen mit dem Kopf, aber man darf ja auch nicht vergessen, dass die Geschichte Anfang des 20.Jahrhundert spielt, und da ging es schon noch etwas anders zu. Die historische Einbettung erscheint mir ganz gut (ich bin jetzt kein Experte fürs 20.Jh. XD), mir wären keinerlei wirklich grobe Schnitzer aufgefallen.
Mit Sarah und Svensson leidet man wirklich mit und Andersen als "Hautpgegenfigur" ist wirklich ein Kotzbrocken, wenn auch sehr sehr einseitig beschrieben. Reicht aber auch ^^. Brandon, der recht viele Facetten im Buch aufzeigt, schafft es irgendwie nicht, mich wirklich zu überzeugen. Im Prinzip kommt es mir so vor, als wolle die Autorin ihm eine nette, liebenswerte Seite verpassen, aber irgendwie bleibt er einfach unsympatisch und ebenfalls ungewollt einseitig.
 
Fazit:
Mh. Schwierig. Ich fand das Buch okay, es hat sich gut gelesen, man findet sich schnell in der Geschichte zurecht. Die Charaktere lassen mich aber zwiegespalten zurück. Sarah und Svensson, kein Ding. Brandon... schwierig, da er mir persönlich irgendwie doch zu platt wirkt. Andersen als Gegenspieler ist okay, aber schon arg klischeehaft.
Die Geschichte fand ich aber an sich sehr spannend. Gerade der historische Hintergrund hat mir gefallen. Ich wußte zum Beispiel nicht, wie sich das mit der Robbenjagd so gestaltete damals, und dass es schon Jagdverbote in gewissen Zonen gab usw. Auch das Leben auf dem Schiff wird schön dargestellt (leider fehlen mir hier die Segelboot-Erfahrungen für einen adäquaten Vergleich), nicht voller Klischees.
An sich hatte ich eine viel kitschigere Liebesgeschichte erwartet. Die es zum Glück nicht gab, das fand ich auch schön. Dass die Autorin nicht auf "Sex und Gewalt" setzt, sondern die Beziehung zwischen Sarah und Svensson ruhiger angehen lässt.

Wer sich für historische Romane interessiert, aber keine Lust auf die "üblichen Schnulzen" hat, findet mit Die Sehnsucht der Albatrosse auf jeden Fall ein lesenswertes Buch :).


Herzlichen Dank an das Team von Blogg dein Buch und den books2read-Verlag für die Bereitstellung des Buches :)

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